Donnerstag, Dezember 11, 2003

AOK Niedersachsen schuldenfrei

Die AOK Niedersachsen geht schuldenfrei ins Jahr 2004. Zumindest für die ersten sechs Monate sieht sie jedoch nur wenig Spielraum für eine Senkung des Beitragssatzes; er wird zunächst bei 14,5 Prozent bleiben. Dies hat heute in Hannover der Verwaltungsrat beschlossen. „Die Gesundheitsreform ist aus unserer Sicht ein Versprechen für die Zukunft. Wir müssen erst die Finanzergebnisse der nächsten Monate abwarten“, sagte die Vorstandsvorsitzende Christine Lüer in Hannover.

Die Krankenkassen in Deutschland hätten ein Defizit von zusammen rund drei Milliarden Euro aus dem laufenden Jahr zu verkraften. Auch die AOK habe 135 Millionen Euro Rücklagen aus früheren Jahren auflösen müssen, um ein ausgeglichenes Rechnungsergebnis 2003 zu erzielen. „Angesichts dieser Entwicklung werten wir das schon als Erfolg“, resümierte Lüer.

Vor allem aufgrund der konjunkturellen Lage werden die Beitragseinnahmen der AOK bis Ende dieses Jahres um schätzungsweise 0,6 Prozent zurückgehen; dagegen steigen die Ausgaben voraussichtlich um 1,2 Prozent. „So weit hat die Schere bisher nur selten auseinandergeklafft“, charakterisierte Lüer die Lage zum Jahreswechsel.

Als Beispiel dafür, wie schwer Ausgaben im Voraus zu kalkulieren sind, nannte die AOK-Chefin den Sektor Arzneimittel, der den zweitgrößten Haushaltsposten ausmacht. Die Anfang 2003 in Kraft getretenen gesetzlichen Maßnahmen – Zwangsrabatte von Pharma-Industrie, Großhandel und Apotheken – hätten nicht zu dem von der Politik geplanten Rückgang der Ausgaben geführt. Der Anstieg verlangsamte sich lediglich auf +2,8 Prozent. Das Ergebnis werde eine zusätzliche finanzielle Belastung in diesem Jahr von schätzungsweise rund 46 Millionen Euro nur bei Medikamenten sein. „Das allein macht schon fast zwei Zehntel-Prozentpunkte unseres Beitragssatzes aus!“, sagte Lüer.

Ein Lichtblick ist hingegen die Entwicklung der Verwaltungskosten: Für 2004 ist eine Absenkung um 2,2 Prozent oder 6,3 Millionen Euro auf dann 278 Millionen Euro geplant. Erreicht wird dies durch Einsparungen bei Sachkosten (Zentralisierung von Beschaffungswesen und Gebäudebewirtschaf-tung) und Personalausgaben (Auslaufen befristeter Beschäftigungsverhältnisse, Nutzung von Altersteilzeit und natürlicher Fluktuation, Angebote zur Reduzierung von Arbeitszeit). Bereits in diesem Jahr hat die AOK durch strenge Ausgabenbegrenzung eine Absenkung der Verwaltungskosten um rund 4,2 Millionen Euro geschafft.

5,873 Milliarden Euro für Kranken- und Pflegeversicherung

Der Haushalt 2004 wird ein Volumen von 4,943 Milliarden Euro in der Krankenversicherung und 930 Millionen Euro in der Pflegeversicherung haben. Fast 37 Prozent der Leistungsausgaben der Krankenversicherung (absolut: 1,7 Milliarden Euro) entfallen auf die Behandlung im Krankenhaus. Für Medikamente sind 820 Millionen Euro veranschlagt (-6,1%), für die ärztliche Behandlung 712 Millionen Euro. Heil- und Hilfsmittel stehen mit 306 Millionen Euro im Haushaltsplan. Insgesamt rechnet die AOK pro Mitglied mit Leistungsausgaben von 2884 Euro, das sind 2,1 Prozent weniger als 2003. „Damit haben wir allerdings das volle Einsparpotenzial aus dem GKV-Modernisierungsgesetz im Haushalt eingeplant“, sagte der Vorstandsbeauftragte und Geschäftsführer Finanzen Horst-Dieter Dehne.

Abzuwarten bleibe jetzt, wann und wie stark die Konjunktur anspringe: „Mehr Beschäftigung – das ist es, was sich am schnellsten und nachhaltigsten bei unseren Einnahmen bemerkbar macht.“ Die Auswirkungen der Gesundheitsreform hingegen würden sich erst allmählich aufbauen. „Offen ist zum Beispiel“, erläuterte Dehne, „in welchem Umfang die Ärzte rezeptfreie Arzneimittel, die die Krankenkassen nächstes Jahr nicht mehr bezahlen dürfen, durch rezeptpflichtige teurere ersetzen werden. Ebenso wird sich zeigen, wie die Patienten auf die höheren Zuzahlungen und die Einführung der Praxisgebühr reagieren.“

Neue Möglichkeiten des GMG werden ausgeschöpft

Auf reges Interesse in den Servicezentren und im Internet stoßen bereits die Tarifmodelle und die Angebote für Zusatzversicherungen, die die AOK Niedersachsen ab Januar bereit hält: Mit einer Reihe von gesundheitsfördernden Maßnahmen lassen sich künftig geldwerte Punkte sammeln, etwa durch die Teilnahme an AOK-Kursen, die Nutzung von Früherkennungsuntersuchungen und Impfungen, den ärztlichen „Check-up“ oder das Ablegen des Sportabzeichens. Bei einer Mindestzahl von 50 erreichten Punkten wird jeder Punkt mit einem Euro bezahlt.

„Mit rund 280 Gesundheitsfachkräften an mehreren Dutzend Standorten im Land bieten wir eine hervorragende Grundlage für unsere 2,3 Millionen Versicherten, sich in den drei großen Bereichen Bewegung, Ernährung und Stressabbau aktiv um ihre Gesundheit zu kümmern. Der Bonus soll die Motivation zu-sätzlich verstärken“, erläuterte Vorstandsvorsitzende Christine Lüer.

Wichtig sei dabei, dass auch alte und chronisch kranke Menschen in den Genuss des Bonus‘ kommen können. Die Teilnahme kann direkt im Internet unter www.aok-niedersachsen.de erklärt werden. Freiwillig Versicherten bietet die AOK darüber hinaus den Selbstbehalt-Tarif AOK-Return an. Für die Zusatzversicherungen erarbeiten die AOK und ihr Partner, die Alte Oldenburger Krankenversicherung, zur Zeit die Tarife.

Fortgeführt wird der finanzielle Bonus für gesundheitsfördernde Maßnahmen am Arbeitsplatz. In der betrieblichen Gesundheitsförderung zählt die AOK Nie-dersachsen zu den unbestrittenen Marktführern in Deutschland. Daher kann sie im neuen Jahr lückenlos an ihr 1996 mit Unterstützung der Weltgesundheitsorganisation und des niedersächsischen Sozialministeriums eingeführtes Angebot anknüpfen. Ein besonderer Aspekt des künftigen Engagements wird die Berücksichtigung der Leistungsausgaben der AOKN in den Betrieben sein. Erstmals sollen systematisch Gesundheitsangebote mit Kostensenkungspotenzialen verknüpft werden. Dabei werden im Zuge des demographischen Wandels auch ältere Arbeitnehmer stärker in den Blickpunkt geraten. Managementprozesse in den Betrieben müssen mehr als bisher auf das steigende Durchschnittsalter der Arbeitnehmer gerichtet werden. Hierbei berät die AOK die Betriebe fachkompetent und unterstützt sie mit ihren qualifizierten Gesundheits-förderungsmaßnahmen.

Die Gesundheitsreform gibt den Krankenkassen zum ersten Mal in der Geschichte der Sozialversicherung die Möglichkeit, als Satzungsleistung einen Bonus für Betriebe sowie einen Gesundheitsbonus für ihre Versicherten anzubieten. Auch Zusatzversicherungen durch die gesetzlichen Krankenkassen hatte es bisher nicht gegeben.